Der Abschied einer Hassliebe
1. Januar 2009
Die jubelnden Menschen und knallende Sprengkörper um mich herum, bekam ich nicht mehr mit. Denn plötzlich standest du vor mir. Hast mich angesehen. Ich war wütend auf dich, habe dich sogar manchmal gehasst. Dich vor mir zu spüren, tat weh. Aber du sagtest nur ganz leise: ‘Sei mir bitte nicht böse, ich bitte dich um Verzeihung. Entschuldige, dass ich so streng mit dir war. Bitte verzeihe mir, dass du mit mir soviel durchmachen musstest. Aber es musste sein. Ich konnte dir das nicht ersparen.’ Ja, ich wusste tief in mir, du hattest Recht. Es tat weh, es wahrhaben zu wollen. Die Zeit mit dir hat mich weiter gebracht. Habe viel gelernt. Habe es geschafft, das Kostüm des kleinen Mädchens abzulegen. ‘Und bitte vergesse auch die schönen Zeiten, die wir gemeinsam hatten, nicht. Die schönen Dinge, die ich dir gezeigt habe. Bitte vergesse mich nicht.’ Das waren deine letzten Worte. Danach bist du verschwunden. ‘Ich verzeihe dir. Danke 2008. Für diese intensive, manchmal schöne, aber oft auch schmerzhafte Zeit. Ich werde dich nie vergessen’, sagte ich laut in meinen Gedanken. Und plötzlich musste ich lachen.
Baseless
18. Dezember 2008
Immer häufiger lese ich von der Suche nach Wärme, Zuneigung, Vertrauen, Zärtlichkeit; kurz gesagt, der Liebe. Und von Sinnfragen, Verzweiflungen, Infragestellungen. Der Angst. Die sonst so mutige und aufgeklärte Gesellschaft kapituliert vor der Liebe.
Fortwährende zweisame Glückseligkeit kennt die Big-City-Life-Generation oft nur aus den Fotoalben der Großeltern. Das moderne Gehirn, welches gelernt hat, alles in Frage zu stellen, wird auch diese Zweisamkeit zerstören – (‘…das Glück beruhte nur auf einer ungewollten Schwangerschaft und anschließender Zwangshochzeit’, oder so). Vielleicht waren sie aber wirklich zufrieden bis an ihr Lebensende? Es tut weh, dies zu akzeptieren. Ein bisschen Neid? Weil unsere Großeltern noch etwas ganz wichtiges gelernt haben, was heute keiner mehr kann, oder bereit ist zu tun? Die Kunst der Liebe ist der Mut und die Bereitschaft, sich auf jemanden bedingungslos einzulassen und diese Verantwortung zu tragen. Besteht ohne diese primitive Grundlage, überhaupt eine Chance auf eine gemeinsame Entwicklung? Oder ein andauernder Kampf gegen sich selbst und den anderen, beherrscht durch egoistisches Schweigen… Der Mut, Verantwortung zu tragen, bedeutet auch, nicht ständig Selbstzweifel zu schüren und sich an Fehlern festzufahren. Die kleinen Fehler des anderen lieben zu lernen. Werden dadurch nicht erst Menschen zu Menschen?
Zja, um lieben zu können, muss endlich die ewige Angst überwunden werden. Die Angst vor den Dingen, nach denen man sich eigentlich sehnt. Die Angst vor Wärme, Zuneigung und Vertrauen. Dies zu bekommen und wieder zu verlieren. Sich zu öffnen. Nach Sigmund Freud ist die Angst ein Abwehrmechanismus des Ichs. Ein Selbstschutz, denn sich auf jemanden einlassen, bedeutet auch, verletzlich zu werden. Bindungsangst und Verlustangst stehen nah beieinander.
Man läuft Gefahr, ein bisschen zu weinen, wenn man sich hat zähmen lassen…
(Aber hätte der Fuchs sonst jemals die Farbe des Weizens gewonnen?)
Antoine de Saint-Exupéry
Radarfallen
28. November 2008
Ich schreibe mir 27 Jahre Lebenserfahrung zu. 27 Jahre dachte ich, ich kann Menschen einschätzen. Nicht nach dem ersten Kontakt, aber man trifft sich ja im Leben bekanntlich zweimal. Mit dieser Einstellung bin ich unbedarf durch die Lande gezogen. Doch seit ein paar Monaten habe ich diesen Instinkt verloren. Wie ein Hund, der zu viel Käse gefressen hat und nichts mehr riechen kann. Blind. Eine Ahnung, wodurch dieser Verlust gekommen ist, habe ich nicht. Leider gibt es wohl auch keine technische Unterstützung. Es soll ja Navigationssysteme geben, die vor Radarfallen warnen. So ein Gerät wäre mir eine große Hilfe. “Achtung, schlechter Mensch mit bösen Absichten und an der nächsten Kreuzung bitte links abbiegen”, so in der Art könnte eine nette Dame aus dem ‘Navi fürs Leben’, mich vor Gefahrenstellen warnen. Hoffentlich gibt es dieses Gerät bald zu kaufen. Bis dahin treffe ich weiterhin auf menschliche Gefahrenstellen und bemerke erst immer nachdem ich geblitzt wurde, wer die wirklich bösen Schurken sind… und muss dann den Strafzettel begleichen.