Ich wünsche all jenen Leuten, die am Heilig Abend reichlich beschenkt werden, Christstollen mögen und von Plätzchen nicht dick werden, fröhliche Weihnachten.

An alle anderen… diese 72 Stunden gehen auch irgendwann vorbei. Haltet die Ohrn steif und spielet fröhlich.

Und nochwas: Es ist einfach völlig geschmacklos, Spam – SMS an das komplette Telefonbuch mit dem Inhalt “Frohe Weihnachten Euch Allen” zu versenden. Und noch uncooler ist es, zurückzuschreiben: “Danke Gleichfalls”.

Baseless

18. Dezember 2008

Immer häufiger lese ich von der Suche nach Wärme, Zuneigung, Vertrauen, Zärtlichkeit; kurz gesagt, der Liebe. Und von Sinnfragen, Verzweiflungen, Infragestellungen. Der Angst. Die sonst so mutige und aufgeklärte Gesellschaft kapituliert vor der Liebe.

Fortwährende zweisame Glückseligkeit kennt die Big-City-Life-Generation oft nur aus den Fotoalben der Großeltern. Das moderne Gehirn, welches gelernt hat, alles in Frage zu stellen, wird auch diese Zweisamkeit zerstören – (‘…das Glück beruhte nur auf einer ungewollten Schwangerschaft und anschließender Zwangshochzeit’, oder so). Vielleicht waren sie aber wirklich zufrieden bis an ihr Lebensende? Es tut weh, dies zu akzeptieren. Ein bisschen Neid? Weil unsere Großeltern noch etwas ganz wichtiges gelernt haben, was heute keiner mehr kann, oder bereit ist zu tun? Die Kunst der Liebe ist der Mut und die Bereitschaft, sich auf jemanden bedingungslos einzulassen und diese Verantwortung zu tragen. Besteht ohne diese primitive Grundlage, überhaupt eine Chance auf eine gemeinsame Entwicklung? Oder ein andauernder Kampf gegen sich selbst und den anderen, beherrscht durch egoistisches Schweigen… Der Mut, Verantwortung zu tragen, bedeutet auch, nicht ständig Selbstzweifel zu schüren und sich an Fehlern festzufahren. Die kleinen Fehler des anderen lieben zu lernen. Werden dadurch nicht erst Menschen zu Menschen?

Zja, um lieben zu können, muss endlich die ewige Angst überwunden werden. Die Angst vor den Dingen, nach denen man sich eigentlich sehnt. Die Angst vor Wärme, Zuneigung und Vertrauen. Dies zu bekommen und wieder zu verlieren. Sich zu öffnen. Nach Sigmund Freud ist die Angst ein Abwehrmechanismus des Ichs. Ein Selbstschutz, denn sich auf jemanden einlassen, bedeutet auch, verletzlich zu werden. Bindungsangst und Verlustangst stehen nah beieinander.

Man läuft Gefahr, ein bisschen zu weinen, wenn man sich hat zähmen lassen…

(Aber hätte der Fuchs sonst jemals die Farbe des Weizens gewonnen?)

Antoine de Saint-Exupéry

Tabuthema

17. Dezember 2008

In letzter Zeit habe ich immer öfter das Gefühl, schiefe Blicke zu ernten, wenn ich das Thema Silvester anspreche. “Oh man, dieses Silvester geht mir auf die …”, oder ähnliche Kommentare fallen. Anfangs dachte ich… hmm, vielleicht nimmt man dieses Silvester wirklich etwas zu wichtig. Rational gesehen, ist der 31. ein Tag wie jeder andere auch, natürlich. Das ganze Jahr kann man entspannt feiern, ohne diesen Zwangspass zu haben, also warum an Silvester etwas besonderes planen… Für viele Menschen ist Silvester einfach nur ein jährliches Ritual, einmal wieder zu versuchen, die Straße in die Luft zu sprengen und auf Knopfdruck gute Laune haben zu müssen. Vielleicht deshalb diese Silvesterverdrossenheit.

Ich denke, Silvester ist trotzdem ein sehr besonderer Tag im Jahreskreislauf und man sollte den Abend nicht einfach im Alkohol ertränken und sich ins neue Jahr stürzen. Prinzipiell halte ich von Vorsätzen, die an das neue Jahr gestellt werden, gar nichts. Das funktioniert nicht.  Vielmehr sollte man diese besondere Nacht als Chance nutzen, einmal das letzte Jahr zu reflektieren und auch einfach mal mit einer Sache abzuschließen, zu sagen… das war nicht so gut und das ist jetzt vorbei. Loslassen und sich selbst befreien.

Ich mag das Gefühl, dass ein neues Jahr anfängt und feiere das auch gerne besonders.

Wunderlichkeiten

12. Dezember 2008

Die meisten Menschen, denen ich meine Begegnungen schildere, lachen mich schallend aus. Anfangs dachte ich selbst, ich sollte mich dringend in psychologische Behandlung begeben, als ich zum ersten mal grüne Vögel sah. Aber es stelle sich heraus, nicht mein exzessiver Lebensstil war an dieser Erscheinung schuld, sondern es gibt in Wiesbaden tatsächlich wilde Papageien.
(–>Artikel über die Tiere)

(Quelle Photo: Papageien in Wiesbaden, LR-Online)

Doch nicht nur die Papageien sind exotisch in Wiesbaden. Beispielsweise blühen mitten im Dezember Geranien in voller Pracht. Meine Mutter wäre neidisch. Und der Baum vor meinem Haus, hat beschlossen, diesen Winter einen Teil seiner Blätter zu behalten.

Aber die wohl wunderlichste Geschichte passierte mir eines Morgens auf dem Weg zum Büro. Ich laufe täglich durch einen Park und an einem Obdachlosen vorbei. Man grüßt sich und wechselt manchmal ein paar Worte. Ich habe von diesem älteren Mann an Nikolaus ein Geschenk bekommen. Vielleicht hätte ich ihm auch was schenken sollen. Aber damit habe ich nicht gerechnet. Hat mich sehr gefreut.

Die böse Zahl

6. Dezember 2008

Als kleines Mädchen dachte ich immer, mit 27 bin ich verheiratet und habe mindestens ein Kind. Dass mein naiver Plan nicht funktionieren wird, bemerkte ich schon bald. Aber ich hatte trotzdem ungefähr eine Vorstellung und Erwartungen, wer man mit 27 sein wird, wo man sein wird und was man sein wird. Dass sich all diese Dinge grundlegend ändern würden, hat mich dann doch aus der Bahn geworfen. Anfangs musste als Sündenbock immer das dumme Jahr 2008 herhalten. Jetzt bin ich zur Überzeugung gekommen, es liegt nicht an 2008, sondern einfach nur am Alter 27. An der bösen Zahl. Was ist das bitte für ein Alter? Zu einem 28-Jährigen würde man sagen, reifer End-Zwanziger. Mit 27 sitzt man zwischen den Stühlen. Die soliden 26 überschritten, die 30 in Aussicht. Um auf die ganze Dramaturgie dieses Alters hinzuweisen, möchte ich nur kurz den ‘Club der 27er’ erwähnen: Kurt Cobain (Erschossen/Suizid), Janis Joplin (Überdosis), Jim Morrison (Herzversagen), Jimmy Hendrix (Überdosis), Brian Jones (ertrunken)… Warum ist die 27 so gefährlich? Naja, der Normalo-27er ist in der Regel kein Rockstar und wird auch irgendwann die 28 erreichen… Aber trotzdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass mit 27 die meisten Krisen, Zweifel, Depressionen und Selbstfindungphasen durchlebt werden. Ist dies der letzte Schritt vor dem Erwachsenwerden? Vielleicht als Chance zu sehen, um den Balast der Jugend zu verarbeiten? Oder ist es doch nur die Angst vor dem Alter ,  und die Suche nach einem Ausweg aus den Grenzen von gesellschaftlichen Erwartungen. Ich hab (noch) keine Antwort darauf gefunden. Aber ich habe ja auch noch 9 Monate ‘27′ vor mir. So. Genug gejammert.

Die Falschrum-Maschine

2. Dezember 2008

Früher hatte ich eine beste Freundin. Ich bin Einzelkind und sie war für mich wie eine Schwester. Wir waren wie Arsch auf Eimer. Und die größten abergläubischen Pessimisten aller Zeiten. So schlimm, dass wir anfingen, die Falschrum-Maschine zu entdecken. Heute würde ich sagen, wir haben eine empirische Untersuchung, über die “prozentualen Anwesenheiten des jeweiligen Elternteiles zu Abholzeiten des Sprösslings” erhoben. Immer wenn es am schönsten war, wurde man abgeholt und immer wenn wir uns gestritten haben, hatte plötzlich niemand Zeit, das Kind aus den Fängen des gemeinen Kameraden zu befreien. So fingen wir an zu beten, dass die jeweilige Mutter Zeit hatte, wenn wir nicht nicht nach Hause wollten und umgekehrt. Es funktionierte immer. Dieses Phänomen konnten wir uns nur durch die Existenz einer Falschrum-Maschine erklären. Sogar in der Schule hofften wir immer auf schlechte Noten, um dann gute zu bekommen.

Die meisten Menschen behaupten, ich wäre Pessimist. Aber eigentlich denke ich nur an das Schlimmste, weil die Falschrum-Maschine ja genau immer alles falschrum dreht.

Knoten

2. Dezember 2008

Jahrelang denkt man, so ist es und so soll es. So darf es und alles wird so werden, wie es könnte. Aber dann wird bemerkt, eigentlich ist alles so, wie es nicht müsste. Und man wundert sich, warum aus dürfen – müssen wurde. Vielleicht krämt man sich. Aber auf einmal wird man munter und bunter. Wie zurückgespulte Jahreszeiten. Besser. Weird.

Der Unterschied

1. Dezember 2008

Es gab die Menschen, die lasen, und es gab die anderen. Ob einer ein Leser war oder ein Nichtleser – man merkte es schnell. Es gab zwischen den Menschen keinen größeren Unterschied als diesen. Die Leute staunten, wenn er das behauptete, und manche schüttelten den Kopf über so viel Verschrobenheit. Aber es war so. Gregorius wußte es. Er wußte es.

Neulich beim Lesen, bin ich über diesen Absatz gestolpert. Irgendwie hat der Mann Recht. So ein bisschen jedenfalls, oder? Übrigens, sehr tolles Buch. (Pascal Mercier, Nachtzug nach Lissabon).